Fehlversuche (etkbooks 047)

Fehlversuche

Kein Kinderbuch
Elke Heinemann

 

Marillenlikör, Eierlikör und vor allem zu viel Jägermeister trinkt die Mutter der sechsjährigen Elisa Mitte der 1960er Jahre Nacht für Nacht, bevor sie zu einer lautstarken Maria-Callas-Imitation anhebt, während der Vater auf einer scheinbar endlosen Dienstreise das familiäre Drama ignoriert. Das Kind erfindet für sich die Zwillingsschwester Alise und beginnt, in der dritten Person Singular seine „wahre Geschichte“ zu schreiben, die es in der Ich-Form beenden kann, als es kein Kind mehr ist. Sarkasmus und Ironie, sprachliche Verdichtungen und metaphorische Verschiebungen zeichnen die Prosa von „Fehlversuche“ aus: Ein Buch über ein Kind, das explizit kein Kinderbuch ist.

 

Leseprobe (PDF)

 

Feb./März 2018, 118 S., 19 x 12 cm, Broschur
ISBN: 978-3-905846-47-8, €16 / 20 SFr

 

Derzeit arbeitet Elke Heinemann an dem Roman „Fehlversuche“, der im Frühjahr 2018 erscheinen wird. Der Auszug, den sie für unsere Reihe „Das erste Mal“ ausgewählt hat, führt sie zurück in die 60er Jahre. Ein schonungsloser Blick zurück – ohne Zorn, aber auch ohne Gnade.
Joachim Dicks, NDR-Kultur: Am Morgen vorgestellt/Das erste Mal, 01.07.2017

Elke Heinemanns neuer Roman „Fehlversuche“ erzählt von einem kleinen Mädchen, das in den 1960er Jahren in einer „Vater-Mutter-Kind“-Familie im Ruhrgebiet aufwächst: Es gibt Schrebergärten, Fabrikschlote und Fördertürme, aber auch einen Stadtpark. Und Ferienreisen, sogar bis nach Italien. Dazu ein kleines Mädchen, das sich wünscht, verwechselt worden zu sein, und sich ein anderes Leben in einem „Harmoniepark“ ersehnt.
Imke Wallefeld, WDR 3, Lesezeichen, 20.11.2017

Auch in Elke Heinemanns aktuellen Roman Fehlversuche, 2018 erschienen in der edition taberna kritika, geht es um Erfindung und „wahre Geschichte“. Fehlversuche will dezidiert kein Kinderbuch sein, obwohl es nur von einem Kind handelt. Auf atemberaubend kurzer Strecke wird die drastische und verzweifelte Ich-Werdung der kleinen Elisa in einer deformierten Kleinfamilie geschildert: „… denn die Eltern lehnen aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber ihrer Kindheit jedes Zugeständnis an die Kindheit des eigenen Kindes kategorisch ab.“ Das sitzt.
Senta Wagner, Hotlistblog, 10.05.2018

Was „Fehlversuche“ ist, ist eine Überraschung. Unabhängig von den Spezifika der Handlung von Kind-versus-Milieu bietet uns Elke Heinemann einen Anlass, darüber nachzudenken, ob wir es da mit einem literarischen Ausweis der Wiederkehr überwunden geglaubter gesellschaftlicher Sprachen über Zustände zu tun haben. Lustig ist Fehlversuche, obwohl es überhaupt nicht lustig ist.
Stefan Schmitzer, Fixpoetry, 04.06.2018

Ein sarkastischer Text über eine freudlose Kindheit, in dem viele sehen, was schlecht läuft, aber alle wegschauen.
P.S. Die linke Zürcher Zeitung, 15.06.2018

Der oft leichtfertig dahingesagte Satz „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“ bekommt durch die Lektüre von Elke Heinemanns neuem Roman gleich mehrere Fragezeichen. Mit ihrer schonungslosen, rhythmisch hämmernden, messerscharfen Sprache zerrt die Autorin ihre Leser an den Rand eines Abgrunds. Die Kraft der Literatur besteht auch darin, Menschen in Elend und Ausweglosigkeit eine Sprache zu geben. Sie kann Leid vielleicht nicht lindern. Vielleicht aber doch. Auch davon erzählt dieses Buch.
Mehr wird nicht verraten. Aber Leser wissen dann, dass der Lektüreweg sich mehr als gelohnt hat.
NDR-Kultur: Neue Bücher, 25.07.2018

„Literaturpreis Ruhr 2018 geht an die Autorin Elke Heinemann“. Westfälische Rundschau, 07.12.2018

Leseempfehlungen:

Fixpoetry: 17.02.2018
tell. Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft: 04.07.2018

Gespräch:

Telegramme-Gespräch „Synthetik und Vorbild“: Entre nous, Elke Heinemann! 03.04.2018

Radio-Lesungen:
NDR Kultur: 01.07.2017
WDR 3: 20.-25.11.2017 Podcast

Auszug in: Zeno. Jahrheft für Literatur und Kritik 38 (Dezember 2017/Januar 2018) Zeno